Blogger Template by Blogcrowds


Wir versuchen beide, keine schlechte Laune zu haben. Darin sind wir Meister, den anderen glücklich zu machen. An der Ecke vor dem Club warten Lys und Castiel auf uns. Beide sehen leicht zerknirscht aus.
 ,, Welche Laus ist euch den über die Leber gelaufen Jungs?“ ,, Naja, wegen dieser Auseinandersetzung mit dem Kerl, haben wir eine Woche Hausverbot. Aber die geht ja immerhin rum. Der Kerl hat drei Monate Hausverbot.“ ,, Mhm, dass tut mir jetzt leid, ist ja nur wegen mir gewesen. Was machen wir jetzt?“ Ich habe Angst, dass Mario zu nachdenklich wird, wenn wir einfach wieder heimgehen würden, also brauchen wir eine andere Situation um ihn abzulenken. Castiel ist wieder total komisch, man würde kaum glauben, dass er das vorgestern war. Lysander überlegt kurz und grinst dann. ,, Hier in der Nähe gibt es eine kleine Bar, da könnten wir doch hin. Die spielen zwar keine Live-Musik, aber man kann es aushalten.“ Keine fünf Minuten später sitzen wir vier in dieser Bar und erzählen. Lysander will viel über Berlin wissen, was wir beide dort so getan haben, er ist heute richtig gesprächig. Aber eigentlich will ich nicht zu viel von meiner Vergangenheit erzählen, bloß kapiert Mario es nicht und redet munter drauf los. Ich schaue ihn entgeistert an als auf einmal Castiel sich in das Gespräch einmischt. ,, Du willst sagen, die Kleine hier, hat dich also beschützt? Warum hast du das nicht früher erzählt? Sie kann ja wirklich auf sich alleine aufpassen und wir könnten jetzt im Club sein.“ ,, Naja Castiel, sie kann sich zwar alleine Verteidigen, aber dementsprechend oft gerät sie auch in Probleme. Sie hat leider einen Beschützerinstinkt, wie du gemerkt haben müsstest.“ ,, Hallo? Ich bin auch noch da, ihr müsst von mir nicht in der dritten Person reden.“ ,, Lass die beiden doch. Immerhin redet er wieder. Sag mal, das was du da vor den Ferien zu uns gesagt hattest, stimmt das denn noch?“ Leicht irritiert schaue ich ihn an, bis mir wieder einfällt was er meint. ,, Achso…naja, ich war etwas sauer und habe wohl überreagiert. Eigentlich gefällt es mir hier doch sehr gut.“ Ich lächle ihn an. ,, Das finde ich sehr schön. Mit dir ist es viel lustiger hier geworden.“ Er drückt meine Hand und lächelt. ,, Danke, aber das liegt ja nur daran, weil ihr mir nicht sagt, dass ihr die Gespenster seit.“ ,, Ich hoffe du bist uns deswegen nicht mehr böse. Aber wir wussten nicht, ob wir es dir direkt sagen sollten. Jetzt wissen wir ja aber, dass du ein guter Mensch bist, dem man auch vertrauen kann.“
,, Sasa?“ Ich drehe mich zu der Stimme um und da steht nun ein zerknirschter Nate. ,, Was willst du den hier Mr. Weichei?“ Castiel ist mal wieder freundlich wie immer. ,, Ich habe nicht mit dir geredet klar? Sasa, könnten wir mal kurz reden?“ Ich nicke und stehe auf. ,, Bin gleich wieder da.“ Er geht mit mir raus, da in der Bar ein ziemlicher Krach ist. ,, Hör zu, das vom letzten Mal tut mir wirklich leid ja? Ich hatte mich nicht im Griff.“ ,, Ja, also Nate, ich weis nicht genau, was ich sagen soll.“ ,, Kannst du dir denn gar nicht vorstellen mir eine Chance zu geben?“ ,, Nein Nate, ich habe leider nicht diese Gefühle für dich und selbst wenn ich sie hätte, ich will zur zeit einfach keine Beziehung ja? Jetzt schau mich nicht so an, du kannst mich nicht dazu zwingen.“ ,, Dann werde ich um dich kämpfen.“ ,, Was?“ ,, Ja, du musst dein Herz irgendwann wieder verschenken und ich werde da sein, gegen einen wie Castiel pack ich es doch locker.“ ,, Warte, wie kommst du bitte auf Castiel?“ ,, Naja, ihr seit oft zusammen.“ 
,, Eindeutiges Indiz, wir sind Freunde.“ ,, Du hast wohl keine Ahnung von Jungs oder?“ Ich schaue ihn leicht geschockt an. ,, Nein, die habe ich wohl nicht. Sonst hätte ich in der Vergangenheit nicht solche Fehler gemacht. Ich muss jetzt gehen.“ Ich drehe mich auf dem Absatz um und verschwinde schnell wieder in der Bar, damit er meine Tränen nicht sehen kann. Es sitzt nur noch Castiel an unserem Tisch, die anderen beiden sind verschwunden. ,, Na was wollte das Weichei von dir?“ Jetzt erst sieht er mich richtig an. ,, Wieso weinst du? Was hat der Kerl gesagt?“ Er will aufstehen  und sieht total wütend aus. ,, Ist schon ok, es hat nichts mit ihm zu tun.“ ,, Was ist los?“ ,, Ich glaube kaum, dass dich das was angeht oder?“ ,, Hör zu, ich kenne mich damit zwar nicht so aus, aber ich denke wir sind mittlerweile so was wie Freunde oder nicht?“ Er schiebt mir sein volles Bierglas hin, ich sehe, dass meins  leer ist. Ich grinse ihn an. ,, Wir sind also Freunde? Gut zu wissen, dann benehm dich auch wie einer.“ ,, Du bist ganz schön gemein, dafür, dass du gerade geweint hast.“ Lachend rückt er etwas zu mir ran. ,, Also, was ist passiert?“ ,, Du wirst nicht locker lassen oder?“ Grinsend nickt er. ,, Weist du, Nate hat einfach etwas gesagt, was mit an ein nicht so schönes Kapitel erinnert hat und das hat mich etwas traurig gemacht.“ ,, Was will der Typ eigentlich von dir?“ ,, Er will um mich kämpfen.“ ,, Bitte was?“ ,, Ja, anscheinend, hat er mich sehr gerne und er denkt wirklich, dass du auch etwas für mich empfindest. Er sieht dich als Konkurrenten. Verrückt oder?“ Ich lache nun doch über diesen Gedanken, dass Castiel etwas für mich empfinden könnte. ,, Mhm, ja, was für ein Dummkopf so was zu denken. Du ich geh mal schnell zur Bar.“ Ich schaue ihm hinterher, was war das denn jetzt? ,, Gehen wir?“ 
,, Ja Mario, es ist wohl besser, wenn wir für heute gehen.“ Lysander umarmt mich und verabschiedet sich. Nur Castiel steht ziemlich verschlossen daneben und schaut mich so komisch an. ,, Bis Montag, dann sehen wir uns ja wieder öfters.“ ,, Ja, dass werden wir wohl.“ Warum klingt er nur so komisch dabei?

Es ist der letzte Freitag bevor die Schule wieder losgeht. Noch 17 Tage bis Halloween und Mario macht sich jetzt schon Gedanken über eine Party. ,, Wir gehen heute Abend erstmal tanzen klar?“ ,, Du willst wirklich hingehen? Ich bin stolz auf dich meine Kleine, ich hätte nicht gedacht, dass du das so locker wegsteckst vom letzten Mal.“ ,, Naja, manchmal muss man Sachen vergessen oder? Das ist doch dein Spruch oder nicht?“ Er nickt und grinst. ,, Meinst du, dass du mit Castiel tanzen wirst?“ ,,Nein, ganz bestimmt nicht. Du weist wie meine Einstellung zurzeit ist ja?“ Es ist noch früh am Morgen und ich verziehe mich erstmal ins Bad um mich mal wieder stundenlang in die Badewanne zu legen. Man merkt mit jedem Tag mehr, dass es bald Herbst wird. Ich frage mich, wie es Ken wohl ergeht. Er hat uns keine Adresse da gelassen, dass wir mit ihm schreiben oder gar telefonieren könnten. Sein Handy wird ihm dort direkt abgenommen, kein Kontakt zur Außenwelt. ,, Du solltest endlich mal aus der Wanne raus, du verschrumpelst ja noch.“ Ich werde langsam wach und sehe Mario im Türrahmen stehen. ,, Ich bin wohl eingeschlafen. Wie bitte? Ich war vier Stunden in der Badewanne??Warum hast du mich nicht früher geweckt?“ ,, Naja, du bist ja nicht ertrunken von daher. Übringens, der Postbote war da, du hast ein Paket bekommen.“ Langsam steige ich aus der Badewanne, ich bin total müde, obwohl ich anscheinend vier Stunden geschlafen habe und wickele mich in ein großes Handtuch ein. Im Wohnzimmer steht ein mittelgroßes Paket. Es ist kein Absender zu finden, neugierig öffne ich es. Darin sind ganz viele Kekspackungen, ich wische eine kleine Träne weg. Das Paket ist von Ken.


Liebe Sasa,

das Training hier ist total hart. Ich weis noch nicht ob ich das Überleben werde. Mein Vater ist schlimmer als hundert Amber´s zusammen. Aber ich werde versuchen es durchzustehen, weil wenn ich alle Prüfungen bestehe, darf ich wieder zu euch zurück. Ich werde dir jede Woche ein Paket schicken,da mein Vater mich an verschiedenen Militärstützpunkten trainiert, bekommst du von überall Kekse, damit du weist, dass ich noch lebe. Sag allen einen lieben Gruß! Ich vermisse euch ganz schrecklich.

Dein Ken


Mein armer Ken, sowas hat er echt nicht verdient. ,, Der Kleine hat dich echt gern. Schau mal, die Kekse sind aus Italien. Solche gibt’s bei uns gar nicht.“ Mario und ich inspizieren das Paket, ein Traum von Keksen. Dafür könnte man Ken fast lieben. Selbst wenn er tausende von Kilometern entfernt ist, denkt er an einen und schickt Kekse. ,, Ich bin mal gespannt, von wo er dir nächste Woche was schickt.“ ,,Mario, du nutzt Ken´s Situation ja fast aus. Genieße die Kekse wenigstens. Der Arme muss dafür total leiden.“ Mario tappt mit einer Packung Kekse auf den Balkon. ,, Die Kekse stehen dir besser als die blöden Zigaretten.“ Mir ist es schon seit Wochen aufgefallen, dass Mario viel mehr raucht als früher. Da war er Gelegenheitsraucher, jetzt raucht er viel mehr. ,, Ich rauche so viel wie mir es passt klar?“ Was war nur mit ihm los? Sobald man ihn auf die Zigaretten anspricht, reagiert er total zickig. ,, Sag mal, stimmt irgendwas nicht?“ ,, Es ist alles prima klar?“ ,, Mario…ich kenne dich nun lang genug, rede mit mir.“ Er seufzt und sieht mich traurig an. ,, Meine Mutter hat vorhin angerufen. Nach der Kartensperraktion, hatten sie gedacht, dass ich wieder kommen würde. Aber ich bin ja noch hier, wie du siehst. Sie zwingen mich jetzt wiederzu kommen, dabei sind sie doch eh 2/3 des Jahres irgendwo in Urlaub.“ Mario´s Eltern, sind sehr reich und so gut wie immer in Urlaub oder auf Geschäftsreise. Er war von früher Kindheit an alleine und wurde von der Nanny großgezogen. ,, Aber du wirst es nicht machen richtig?“ ,, Genau, aber ich denke, dass ich trotzdem bald mal hinfahren muss. Aber mit der Schule wird das dann schwierig. Ich werde am Montag mal mit Madame Dupont reden müssen.“ Immerhin erklärt dies seine Zigarettensucht in den letzten Stunden. Er hat Angst, dass er hier wieder weg muss. Ich merke ja, dass es ihm hier gefällt und er bei mir bleiben will. Da wir beide Einzelkinder sind, waren wir seit dem Kindergarten so etwas wie Geschwister und solche sollte man nicht trennen. Wir stehen noch ziemlich lange zusammen auf dem Balkon, bis die Sonne langsam untergeht. ,, Mario? Ich glaube, wir sollten uns langsam mal fertig machen. Sonst kommen wir noch zu spät.“ Er grinst mich an. ,, Dann machen wir das mal Kleines, heute wird gefeiert.“ Er nimmt mich in den Arm und knuddelt mich ganz doll. Wir wissen beide, dass wir nicht mehr lange zusammen sein können. Aber keiner traut es sich auszusprechen.


Im Club ist ein richtiger Tumult losgebrochen, jeder will sehen, wer sich streitet, ich auch. ,, Mario, was ist los?“ ,, Naja, es scheint jemanden zu geben, dem es nicht so passt, wenn dich jemand bedrängt.“ Ich versuche etwas zu sehen, aber Mario ist mit mir etwas zurückgegangen, wieder verfluche ich meine Größe. 
,, Lass mich los Mario, mir geht’s doch gut.“ Er sollte mich doch besser kennen und wissen, dass ich die Chance nutze um zu sehen, wer mich aus dieser Situation gerettet hat. Ich sehe den blonden Kerl, der jetzt mit meinem „Retter“ rangelt. ,, Castiel?“ Er schaut mich an und genau in dem Moment trifft die Faust des Blonden ihn mitten ins Gesicht. Ich renne auf ihn los und versuche ihn zu schlagen. ,, Du mieser Mistkerl, lass ihn in Ruhe.“ ,, Püppchen, was willst du mit so einem Versager?“ Castiel liegt am Boden, ich sehe, wie seine Wut von Sekunde zu Sekunde steigt. ,, Halt die Klappe, er ist kein Versager.“ Doch bevor ich wieder auf ihn losgehen kann, besser gesagt versuchen kann, denn er ist um einiges größer als ich und meine Schläge werden ihn wohl nur etwas kitzeln, hebt mich jemand am Handgelenk fest. ,, Ein Mädchen sollte sich nie selbst verteidigen.“ ,, Castiel lass mich los, der Typ hat nicht so über dich zu reden.“ Ich schlage wie wild um mich, aber ich bin einfach zu schwach. Lysander hebt mich nun fest und versucht mich zu beruhigen. Castiel geht nochmal auf den Blonden zu und zischt etwas in seine Richtung, was ich aber nicht verstehen kann.
Leider werden wir mit vor die Tür gesetzt, aber im Gegensatz zu dem Blonden, haben wir anscheinend kein Hausverbot bekommen. ,, Der kommt ziemlich oft her. Ich hätte aber nicht gedacht, dass er es bei dir versucht.“ Ich schau Lys leicht irritiert an. ,, Naja, er versuchts nur bei Naivchen und so eine bist du jetzt wirklich nicht.“ Wenn er wüsste, wie naiv ich mal war. Castiels Nase sieht nicht gut aus, wir fahren bis zu Lysander, immerhin wohnt er am nähsten zum Club. Er sitzt nun bei Lys auf dem Sofa und hat die Augen zu. Ich gehe mit einem Eisbeutel zu ihm und tröpfle ihm erst vorsichtig was auf die Nase. Er macht die Augen auf und schaut mich gequält an. ,, Das ist Eis für deine Nase. Dann heilt es schneller.“ ,, Ich sehe,dass es Eis ist.“
,, Warum hast du das gemacht?“ ,, Was meinst du bitte?“ ,, Mich zu beschützen.“ Er schaut weg, so als wüsste er nicht, was er sagen soll. ,, Das hat nichts mit dir zu tun. Ich finde einfach nur, wenn ein Mädchen nicht tanzen will sollte man sie auch in Ruhe lassen.“
,, Achso.“ Irgendwie macht mich die Antwort traurig, aber warum? Er sieht bei seiner Antwort aber nicht wirklich glücklich aus. ,, Naja, trotzdem danke.“ Ich tätschle ihm die Hand und will wieder gehen, als er meine Hand festhält. ,, Bleib hier.“ Ich setze mich zu ihm auf die Couch und hebe den Eisbeutel auf seine Nase.  Ich habe das Gefühl, als würde ich stundenlang hier sitzen bis mir die Augen zufallen.
Ich werde von einem nassen etwas geweckt. Langsam öffne ich die Augen, meine Hand wird von einem riesigen Hund abgeschleckt. Ich liege in Castiels Arm gekuschelt und sein Kopf auf meinem, er hält meine Hand. Ruckartig setze ich mich auf. ,, Wer bist du denn?“ Neben mir grummelt Castiel und schlägt die Augen auf. ,,Guten Morgen.“ Er schaut mich ganz verschlafen an und sieht dann das große Ungetüm von Hund. 
,, Haste den Kleinen schon kennengelernt?“ ,, Naja klein ist jetzt untertrieben.“ ,, Frühstück ist fertig.“
 ,, Mario schrei nicht so. Castiel hat doch Kopfschmerzen.“ ,, Ich dreh deinem Freund den Hals rum. Wie kann der am frühen Morgen so gute Laune haben?“ ,, So ist Mario halt ab und zu. Hob steh auf.“ Ich schlendere in die Küche, wo Mario und Lysander ein traumhaftes Frühstück zubereitet haben, während Castiel und ich noch geschlafen haben. ,, War der Weckdienst von euch?“ ,,Ja, ich war schon bei Castiel um ihn zu holen.“ Besagter steht nun im Türrahmen. ,, Müsst ihr um diese Zeit so einen Lärm machen?“ Mario geht auf ihn zu und betrachtet sein Gesicht. ,, Deine Nase sieht wirklich nicht gut aus, du solltest zum Arzt.“ ,, Lass mich in Ruhe. Ich fühl mich gut.“ Wir frühstücken ohne ein Wort zu reden und danach gehen Mario und ich nach Hause.
,,Mario? Meinst du Castiels Nase geht’s gut?“ ,, Naja ich bin mir da nicht so sicher, aber wenn er meint, dass es ihm gut geht ist das seine Ding.“ ,, Du ich hau mich jetzt erstmal hin. Ich bin hundemüde.“
,, Kinder seit ihr daaaaaa? Hob aufstehen ihr Faulpelze.“ ,, Tantchen? Du bist schon wieder da?“ ,, Ja es war so langweilig in St.Barts ohne euch.“ Sie zieht die Vorhänge auf und macht die Balkontür auf. ,, Kommt mit runter, ich habe ganz leckere Sachen für euch mitgebracht.“
Auf dem Tisch im Garten stapeln sich wunderbare Köstlichkeiten. ,, Psst, ich glaub da essen wir noch die nächsten Monate dran.“
Oben im Appartement klingelt ein Handy. ,, Ich geh schon.“ Oben angekommen merke ich, dass es sogar mein Handy ist. ,, Ja?“ ,, Hi, ich bins Lys. Ich wollte nur mal fragen, ob ihr morgen Abend wieder mit in den Club wollt. Da ist Karaokeabend.“ ,, Hey, ja, also, ich denke schon: Aber nur, wenn es diesmal keinen Ärger gibt und ich tanzen darf ja?“ ,, Einverstanden. Brauchst du noch was Neues zum Anziehen?“ ,, Nein danke, ich habe noch ein bisschen was.“
Wer hätte gedacht, dass das Leben sich so ändern kann? Ich bin wieder glücklich, ich habe Freunde. Vielleicht heilen Wunden doch. ,, Maaarrriiioooo. Wir gehen morgen Karaoke singen.“ ,, Yeah. Sehr schön.“


,, Ok, du bist jetzt eine Woche nicht aus dem Haus. Sei froh, dass deine Tante nicht da ist und dich so sieht. Steh jetzt auf, wir gehen raus.“ Mario zerrt wie wild an meiner Decke. Aber er hatte recht, seit einer Woche war ich nur daheim und ging allem aus dem Weg. Ich habe viel zu sehr Angst Nate zu treffen. ,, Ich geh doch auch mit dir! Wenn wir ihn sehen verstecken wir uns einfach wie wärs? Ich habe einen Laden gefunden, der perfekte Klamotten für dich hat und da gehen wir jetzt hin los.“ Ich lasse die Decke los, Mario fliegt mit einem Ruck um und landet auf dem Boden. ,, Ok, gehen wir shoppen, ich zieh mich nur schnell um.“ ,,Warum nicht gleich so.“
Eine halbe Stunde später stehe ich angezogen und frisch geduscht auf der Straße. ,, Ok, dann führ mich mal zu dem tollen Laden.“ Wir fahren mit der Bahn und steigen an Lysanders Haltestelle aus. Wir laufen ein paar Meter und durch viele Gassen. Mittlerweile sind wir in einem total anderen Viertel angelangt. Es sieht hier noch aus wie vor 60 Jahren, wunderschöne alte Backsteinhäuser mit Blumenranken. ,, Hier ist es.“ Wir gehen in den Laden rein, eine Klingel ertönt. Ich laufe umher und schaue mich etwas um. Genauso stelle ich mir eigentlich Lysanders Kleiderschrank vor. Ob er hier wohl einkauft? ,, Hallo Mario, da bist du ja wieder. Oh, und deine Freundin hast du auch mitgebracht, wie schön.“ Ich schaue mir die Person genau an, die da mit Mario spricht. Er sieht aus wie Lysander, nur sind die Haare dunkel und er ist etwas größer. Hinter ihm taucht dann wirklich Lysander auf, der mich anlächelt. ,, Hallo Sasa, was verschlägt dich denn her?“ Mario klärt die ganze Situation auf. Leigh, der Ladenbesitzer, ist der große Bruder von Lysander und persönlicher Einkleider. Die drei Jungs unterhalten sich lange über Mode, währenddessen streife ich durch den Laden und begutachte die wunderschönen Kleider. ,, Na hast du schon was passendes gefunden?“ Eigentlich will ich ihn ja ignorieren, aber Lys ist  immer so lieb. ,, Ja und Nein, Lys. Aber dein Bruder hat echt Talent. Meinst du, er kann mir auch etwas nach meinen Wünschen anfertigen?“ ,, Klar, macht er bei mir auch immer, wir fragen ihn einfach mal.“ Er zieht mich hinter sich her, quer durch den Laden. ,, He Leigh, könntest du für Sasa ein paar Sachen nähen?“ Leigh schaut mich musternd an. ,, Die Figur und die Größe ist perfekt. Ich sollte sogar ein paar Teile noch hinten haben.“ Ich kann gar nicht so schnell schauen, wie die drei mich ins Ankleidezimmer schleifen und ich mit einem Berg Klamotten da stehe. Bei jedem Kleidungsstück sind die drei entzückt. Nach geschlagenen drei Stunden stehen Mario und ich mit zehn Einkaufstüten vor Leigh´s Laden. Lys kommt uns hinterhergelaufen. ,, Sag mal Sasa, hast du heute Abend schon was vor?“ Ich schaue ihn und danach Mario an, der ganz unauffällig den Kopf schüttelt. ,, Vielleicht ja vielleicht nein, wieso frägst du?“ ,, Naja Cas und ich wollten in einen Club im Zentrum, hättet ihr beide Lust mitzukommen?“ ,, Was ist das denn für ein Club?“ Auch wenn ich immer noch ziemlich sauer auf Castiel war, kann ich meine Liebe für Club´s nicht verbergen. ,, Naja, da spielen jeden Abend ein paar Bands, manchmal welche aus dem Umkreis, aber auch viele aus dem Ausland, die hier kleine Gigs geben.“ Er sieht,dass meine Augen immer größer werden und ich strahle. ,, Wenn du willst, darfst du Cas auch ignorieren, aber ich würde mich freuen, wenn ihr beiden mitgehen würdet. Mario hat erzählt, dass du diese Musikrichtung sehr magst.“ Ich schaue Mario vernichtend an. ,, Wir überlegen es uns noch, wir können uns ja dann dort treffen.“

Mario sitzt auf dem Sofa und hört sich meine Standpauke ziemlich locker an. ,, Wie kannst du nur verdammt noch mal? Du weist genau, dass ich noch sauer auf Castiel bin, wegen dem mit Nate.“ ,, Ja, aber ich weis, dass du ihn magst. Du magst Jungs wie ihn oder nicht?“ ,, Nein, ich mag keine Jungs mehr.“ ,, Ach mögen wir jetzt Frauen oder was?“ ,, Sei ruhig Mario, ich hab einfach keine Lust auf den ganzen Kram, am Ende hat man eh nur wieder ein gebrochenes Herz verdammt.“ ,, Du darfst keine Angst vor so was haben. Ja und? Der Arsch hat dir das Herz gebrochen, mach weiter. Das Leben ist wegen so etwas nicht zu Ende. Oder trauerst du dem Idioten etwa noch hinterher?“ ,, Nein, aber ich will  nicht noch mal verletzt werden. Ich kann nämlich nicht noch mal die Schule wechseln, da ich sonst keine Verwandten mehr habe, wo ich hinkann.“ ,, Ganz einfach, du rennst nicht mehr weg. Also mach dich fertig, wir werden heute Abend ausgehen.“
Ich stehe im Bad und schminke mich, wie ich es schon lange nicht mehr getan habe. Seit ich aus Berlin weg bin, habe ich mich immer nur sehr dezent geschminkt. Aber heute will ich mal wieder ich sein. ,, Wie sehe ich aus?“ ,, Du bist wunderschön meine Kleine. Die Jungs werden Augen machen.“ Ich habe die viktorianischen rotschwarzen Stiefel von Leigh an, meinen schwarzen Faltenrock und ein bauchfreies rot-schwarzes Top mit Ärmeln am Oberarm, welche mit kleinen Schnüren an der Schulter befestigt sind. Zum krönenden Abschluss habe ich ganz viele Gürtel umgeschnallt.
,, Mario, ich will da nicht rein.“ ,, Wovor hast du Angst? Das ist Paris, hier kennt dich niemand, falls du davor Angst haben solltest ja?“ Ich nicke, seufze und folge ihm in den kleinen Club, der keine fünf Straßen von der Schule entfernt ist. Darin angekommen, fühle ich mich wie in eine alte Zeit versetzt. Die Musik ist so laut, dass mein Körper unter dem Bass vibriert und mein Puls nicht anders kann als sich anzupassen. Ich verspüre das dringende Gefühl auf die Tanzfläche zu gehen und einfach ausgelassen zu tanzen und zu singen. Aber Mario hat Lys und Castiel ausfindig gemacht und so muss ich erstmal mit zu ihnen. Beide haben schon ein Bier vor sich stehen. Lys steht auf und lächelt uns an. ,, Ihr seit wirklich da, schön.“ Castiel schaut mich gar nicht an. ,, Ja, hi. Sag mal Lys, wo ist hier die Bar?“ Er zeigt hinter mich und ich verschwinde. Mario setzt sich zu den beiden und sie reden über irgendwas. Es reizt mich immer mehr auf die Tanzfläche zu gehen. Ich gehe wieder zu den Jungs und stelle Mario sein Bier hin. ,, Was trinkst du da bitte?“ ,,Martini.“ ,, Martini in einem 0,4l Glas? Sowas gibt’s auch nur hier.“ Lysander lacht und Mario schaut mich besorgt an, er flüstert mir ins Ohr. ,, Willst du nicht lieber ein Bier? Du hast lange nichts mehr getrunken.“ Ich schüttele den Kopf und trinke an meinem Martini. ,, Also Jungs, ich geh jetzt mal tanzen und die Musik genießen, ihr könnt gerne sitzen bleiben.“ Sie  haben gar keine Chance mir hinterherzukommen, so schnell bin ich auf der Tanzfläche. Ich tanze ausgelassen, gefühlte Stunden. Bis sich jemand von hinten an mich schiebt. Aber es ist nicht wie gedacht Mario, der gerne mit mir tanzt, es ist ein fremder Junge. Er hat blonde lange Haare, die er zu einem lockeren Zopf zusammengemacht hat und tiefgrüne Augen. ,, Möchtest du tanzen?“,, Naja, ich wollte eigentlich gerade gehen.“Ich will mich umdrehen und gehen aber er hebt mich fest. ,, Du haust mir nicht ab.“ Er fasst mich grob an den Hüften an und hält mich fest um zu tanzen. ,, Ich möchte aber nicht, lass mich los.“ ,, So was schönes wie dich lass ich doch nicht gehen.“ Sein Griff wird immer fester und ich versuche mich herauszuwinden, aber ich schaffe es nicht. Ich schütte ihm meinen köstlichen Martini ins Gesicht, aber selbst da lässt er mich nicht los.,, Hast du die Dame nicht gehört? Du sollst sie in Ruhe lassen.“ Ich sehe nicht, wer das zu dem Fremden sagt, ich merke nur, wie ich aus dessen Armen gerissen werde und diese sich dann prügeln. ,, Sasa ist alles ok, hat der Typ dir was getan?“


Die Nacht war die Hölle und genauso sehe ich auch aus. Als ich in das Wohnzimmer komme, ist Mario schon weg. Auf dem Tisch liegt ein Zettel:

Bin weg.
Brauchst dich erst wieder zu melden,
 wenn du weist, was du willst und WER du bist.

Mario



Jetzt habe ich ihn verloren und Ken ist auch weg. Keiner zum Reden, aber über was sollte ich den schon reden? So etwas erzählt man nicht einfach beiläufig. Ich stehe stundenlang vor meinem Kleiderschrank. Diesmal habe ich beide Hälften geöffnet. Könnte ich den Berlin und Paris verbinden? Langsam zu meinem alten Ich zurückkehren? Plötzlich klingelt mein Handy.
,, Hey Kim, was gibt’s?“ ,, Sag mal wo bleibst du? Erst sagt uns Mario ab und du lässt uns warten.“ ,, Es tut mir leid, könnt ihr schon mal vorgehen? Ich komme dann nach ja? Treffen wir uns um 11 im Diner?“ Sie legt bejahend auf. Ich ziehe mir meinen schicken Faltenrock an, meine Beine bekommen Stulpen in rot-schwarz geringelt über, darüber die schwarzen Chucks. Mein Totenkopfshirt in Rot darf heute auch wieder aus dem Schrank. Der Totenkopf ist mit kleinen Plastiksteinchen geformt und darüber kommt meine schwarze Lederjacke. Na bitte geht doch, Berlin-Rocker und Pariser-Mädchen vereint, vielleicht konnte ich doch beide Welten vereinen. Was wohl Mario dazu sagen würde? Ich muss ihn dringend nachher anrufen und mich entschuldigen. In der Stadt angekommen mustern die Mädels mich einschüchternd. ,, Was ist denn mit dir passiert? Alles so dunkel.“ ,, Aber es steht ihr.“ ,, Danke, ich wollte ein bisschen was von meiner alten Heimat mal anziehen und es mit der Neuen kombinieren.“
,, Hast du gut hinbekommen. So solltest du dich öfters kleiden.“ Wir verbringen den ganzen Nachmittag in der Stadt, nur kaufe ich so gut wie gar nichts. Weil hier gibt es nicht so den Laden für „Rocker-Sachen“. Zum Abend hin trennen wir uns und ich mache mich im halbdunkeln auf den Heimweg. Es wird Schritt für Schritt Herbst, die Blätter verfärben sich und fallen zur Erde. Es wird auch langsam etwas kühler, ich mache meine Lederjacke zu.
,, Sasa? Du bist es, warte doch bitte mal.“ Ich drehe mich um und schaue in Nate´s traurige Augen. ,, Was willst du?“ ;;Hör zu, es tut mir Leid wegen Amber. Aber du musst verstehen, sie ist immerhin meine Schwester.“ Da erkenne ich es endlich, Nate ist genau wie ich, feige, er verrät sich und seine Aufgabe selbst. Auch er hat etwas auf dem Herzen, das er verstecken will. ,, Nate, manchmal muss man feige sein, aber du musst auch wissen, wann man aufhören muss sich etwas vorzuspielen.“ ,, Warte doch lauf mir nicht schon wieder weg.“ Er hält mich am Arm fest und zieht mich wieder näher zu sich ran. Ich schaue in seine blauen traurigen Augen. ,, Ich möchte nicht, dass du böse auf mich bist Sasa. Du bist der erste Mensch, der mich richtig unterstützt und mir die Meinung sagt.“ ,, Wenn du nicht willst, dass ich böse bin, dann mach endlich das Richtige. Es ist schwer, es zu tun, damit kenne ich mich aus, aber du musst. Sonst kannst du nicht mehr richtig glücklich werden, wenn du diesen Balast mit dir rumschleppst.“ ,,Nach den Ferien, werde ich Madame Dupont die Beweise zeigen und dann bekommt Amber ihre gerechte Strafe. Aber bitte sei wieder lieb mit mir ja?“ ,, Nate…“ Aber ich kann meinen Satz nicht zu Ende sprechen, da er mich auf einmal küsst. Ich drücke ihn von mir weg. ,, Was soll das Nate? Ich bin immer noch sauer auf dich und du kommst auf die Idee mich zu küssen??“ ,, Ich habe dich gern und ich wünsche mir, dass du mich auch gern hast.“ ,, Nate hör zu, ich habe dich gern, aber nicht auf die Art, wie du mich wohl gern hast.“ ,, Du liebst jemand anderen oder?“ ,, Nein, ich liebe niemanden verstanden? Ich werde auch niemals wieder jemanden lieben.“ Er schaut mich verwirrt und verletzt zugleich an.Ich kann diesen Blick nicht mehr sehen und drehe mich um und renne zur gerade kommenden Bahn und steige ein. Ich setze mich ans Fenster und denke über Nate nach, klar auf der einen Seite fühle ich mich geschmeichelt, dass er mich so gern hat, aber er ist einfach nicht mein Typ. Ebenfalls, kann ich zurzeit keinen Freund gebrauchen. Auf einmal knufft mich jemand in den Arm.  ,, Autsch, was soll das?“ ,, Wenn du mir nicht antwortest muss ich dich halt knuffen, damit du reagierst.“ ,, Was willst du Castiel?“ ,, Naja, du siehst so nachdenklich aus.“ Warte, er interessiert sich gerade wirklich für meine Gefühle? Irgendetwas stimmt mit dem Kerl zurzeit echt nicht. ,, Bist du noch sauer wegen gestern? Ich habe dich eben mit Nate gesehen…bist du jetzt mit dem Typ zusammen?“ ,, Wenn du uns gesehen hast, hast du ja auch mitbekommen, dass ich ihn weggedrückt habe, nein wir sind nicht zusammen, ich will mit niemandem zusammen sein verdammt. Zu deiner ersten Frage, ja ich bin noch etwas sauer.“ ,, Also bist du auch nicht mit diesem Mario zusammen? Nur noch ein bisschen? Das ist schön.“ ,, Nein Mario ist nicht mein Freund, eigentlich mein bester aber selbst das ist er wohl gerade nicht mehr. Sag mal, was ist eigentlich mit dir los?“ ,, Was soll denn mit mir sein?“ ,,Naja, du bist so aufmerksam, dass kenne ich gar nicht von dir.“ ,, Tzja, ich bin halt unergründlich. Was ist denn mit Mario? Habt ihr Streit?“ ,, Ich finde es ja ganz nett, dass du auf einmal so aufmerksam bist, aber was da zwischen mir und Mario ist…das ist meine Vergangenheit und das soll sie bitte auch bleiben ja?“ Er nickt. ,, Hast du etwa ein dunkles Geheimnis, Kleine? Übrigens, deine Klamotten heute sind cool, so kannst du ruhig öfters rumlaufen, steht dir besser als dieses Schickimickizeug.“ Er steigt an Lysander´s Haltestelle aus und verschwindet in der Nacht. Was ist nur mit ihm los? Im einen Moment ist er ein richtiger Kotzbrocken und dann so lieb und aufmerksam. Ich laufe im Dunkeln heim, am Tor angekommen, sehe ich, dass jemand auf der Treppe sitzt. Es ist Mario, ich renne sofort zu ihm hin. ,, Du bist wieder da.“ Ich strahle ihn an, wie ein Honigkuchenpferd. ,,Ja, aber ganz bestimmt nicht wegen dir. Meine Eltern haben meine Karte sperren lassen, also habe ich kein Geld und Kim kann ich auch nicht erreichen. Da ich nicht auf der Straße schlafen will, bin ich wieder hergekommen.“ Ich schließe auf und lasse ihn zuerst eintreten. Er sieht mich an und schaut weg, dann sieht er mich noch mal genauer an und grinst. ,, Die Standpauke scheint ja was gebracht zu haben.“ Er lacht und nimmt mich in den Arm. ,, Du wirst wieder meine Sasa.“ Vielleicht konnte ich wirklich wieder diese Sasa werden, die er so sehr vermisst hatte.


Die ganze Schule ist leer, immerhin ist heute der letzte Schultag. Wer bleibt da freiwillig länger? Ich. Aber wieder höre ich Geräusche, immerhin habe ich diesmal eine Taschenlampe dabei. Ich schleiche wieder hinter zu den Hinterräumen, wo die Geräusche das letzte Mal herkamen. Das ist auf keinen Fall ein Gespenst. Ich höre eine Gitarre, wie auch jemanden singen. Wer kann das nur sein?
,, Machen wir für heute Schluss oder?“ ,, Wenn du meinst.“
Das hört sich irgendwie nach Lys und Castiel an. Ich verstecke mich zwischen den Spinden, es ist stockdunkel und sie sehen mich nicht, als sie an mir vorbeilaufen.Ich nutze die Chance und mache die Taschenlampe an.
,, Sagt mal, was macht ihr um diese Uhrzeit noch hier?“ Sie bleiben geschockt stehen.
,, Sasa, bist du das?“ ,, Nein der Weihnachtsmann, ihr werdet dieses Jahr keine Geschenke bekommen. Natürlich bin ich es…Also?“
,, Dich geht’s gar nichts an, was wir hier machen.“ ,, Danke für deine Freundlichkeit, Castiel.“ Ich schaue Lys an. ,, Weist du, wir benutzen den Raum unten als Proberaum, aber ohne, dass es jemand weis.“ Für was Proben die beiden bitte? Stimmt, ich habe vorhin eine Gitarre gehört. Castiel hat auch einen Gitarrenkoffer in der Hand. ,, Aber was macht ihr wegen dem Sicherheitsmann?“ Plötzlich hören wir eine Tür zuschlagen. ,, Na super…“ ,, Was machen wir jetzt?“ ,, Ist das etwa der Sicherheitsmann?“ Lys rennt auf einmal um die Ecke, Castiel nimmt meine Hand, irgendwie ein schönes Gefühl, er zieht mich ebenfalls um die Ecke. ,, Los runter in den Raum.“ Nun stehen wir alle unten, vor dem abgelegenen Musikraum und warten.
,, Was..mmhhh“ Castiel hält mir den Mund zu und drückt mich mehr an sich, damit wir besser versteckt in der Ecke sind. Ich spüre an meinem Rücken seinen Herzschlag, seine andere Hand umfasst meine Hüfte, ich bekomme eine leichte Gänsehaut. Der Sicherheitsmann läuft an uns vorbei- durch irgendein Glück hat er uns nicht gesehen. Lys läuft langsam die Treppe hoch und schaut, in welche Richtung er verschwindet. Castiel hält mich immer noch an sich gedrückt, es ist komisch so nah an ihm zu sein. Ich fühle mich sicher bei ihm. ,, Hob kommt schnell hoch.“ Ich versuche über die Schulter zu ihm hoch zu schauen er wird leicht rot und schubst mich von sich weg. Wir rennen die Treppe hoch und zum Ausgang. Erst hinter dem Schultor bleiben wir stehen. Das Rennen ging sogar ohne Schmerzen. ,, Ok, dass war wirklich knapp. Sagt mal spinnt ihr eigentlich abends in der Schule zu Proben??? Wenn ihr erwischt werdet!!“ ,, Bis jetzt hat uns ja noch nie jemand bemerkt.“ ,, Außer du.“ ,, Wartet, dann wart ihr das damals auch, als ich meine Bücher vergessen hatte?“ Beide nicken und grinsen dabei. ,, Ihr habt es mir nicht mal sagen müssen? Ich weis, warum ich euch alle ignorieren will.“ Lysander sieht mich komisch an. ,, Was hab ich dir denn getan? Das Cas nicht mehr in deiner Gunst steht ist ja klar, aber ich?“
Castiel sieht ihn verdammt böse an. ,, Halts Maul…“ ,, Nein ihr geht mir alle auf die Nerven, die Schule geht mir auf die Nerven. Ihr macht euch doch alles kaputt, erpresst und belügt euch. Ich bin echt froh, dass ich jetzt erstmal zwei Wochen vor euch Ruhe habe.“ Mit diesen letzten Worten rausche ich zur Bahn und verschwinde in die Herbstferien. Zurück lasse ich zwei bedröppelte Jungs und eine verrückte Schule.

,, Die haben eine Band?“ ,, Ja Mario, zum hunderttausendsten Mal die haben anscheinend eine Band.“ ,, Mensch, da musst du mitmachen, so wie in Berlin, als wir beide durch die Clubs gezogen sind.“ ,, Hör zu, ich bin jetzt in Paris. Ich bin nicht mehr diese Sasa klar? Hier in Paris läuft das anders, Mädchen haben schick zu sein und zu shoppen. Aber sie haben nicht in kleinen versifften Clubs, egal wie schön das auch ist, zu sein und eine Show zu machen.“
,, Aber dein Talent- unser Talent.“ ,, Mario, du kannst gerne wieder nach Berlin und alleine weitermachen.“ ,, Klar, als Klavierspieler alleine in Clubs.“ ,, Naja, da hast du ja auch wieder Recht. Aber hör zu, diese Gitarre, bleibt da drin. Sie darf nicht mehr in die Öffentlichkeit verstanden?“ ,, Mein Gott, nur wegen diesem blöden Kerl? Der hatte doch eh keine Ahnung von Musik, jeder kann doch mal einen schlechten Tag haben. Aber deswegen musstest du doch nicht Hals über Kopf aus Berlin weg.“ ,, Ich war einfach froh, dass meine Eltern mich wegschicken wollten, auch wenn ich es ja nicht unbedingt zugeben konnte. Mensch Mario, dieser scheiß Kerl hat mir das Herz gebrochen klar? Das ist sehr wohl ein Grund abzuhauen.“ ,, Nein, das ist schwach und das weist du auch. Du versteckst dich hier in dieser perfekten Stadt, in diesem perfekten Haus, in der perfekten Schule, mit perfekten Menschen, ok ein paar Ausnahmen gibt es schon. Versteckst deine tollen Klamotten von früher und willst mir wirklich sagen, dass du einen Grund hattest abzuhauen? Du warst ein Star- ein Undergroundstar, aber ein Star. Du sollst dich nicht von so Typen manipulieren lassen. Du hast eine Stadt- deine Stadt- im Stich gelassen und mich. Deinen besten Freund, du hast mir drei Stunden bevor du abgeflogen bist Bescheid gesagt, denkst du das war toll?“ ,, Mario…ich wusste doch nicht, wie ich es dir sagen sollte.“ Er ist sauer und verschwindet auf den Balkon. Ich gehe zu ihm raus. Er steckt sich eine Zigarette an, seit wann raucht er denn? ,, Mario, es tut mir doch leid, aber ich bin halt schwach.“ ,, Nein verdammt, das bist du nicht. Ich habe von klein auf zu dir aufgesehen. Schon damals als wir noch im Kindergarten waren. Du warst immer meine Heldin, hast jedem getrotzt und deine Meinung gesagt. Du hast dich selbst verraten verdammt. Ich gehe jetzt schlafen und du solltest das auch tun. Du wolltest doch morgen shoppen gehen.“ Er geht in den Wohnbereich und macht das Licht aus, ich schleiche mich in mein Zimmer und gehe auf den Balkon. Er hat ja Recht, ich habe mich selbst verraten. Aber manchmal ist es doch besser abzuhauen. Er weis ja gar nicht alles was passiert ist. Dieses Kapitel wird geschlossen bleiben, keiner wird das jemals erfahren, was in dieser Nacht noch passiert ist. Ich gehe nun auch ins Bett, aber die Nacht durchbringe ich mit Albträumen von jener Nacht.


Endlich habe ich meine Akustikgitarre wieder. Seit drei Stunden spiele und singe ich schon. Mario sitzt neben mir und strahlt. ,, Das ist meine Kleine. Also erzähl jetzt endlich, was ist mit diesen beiden Jungs da.“ Die nächsten Stunden erzähle ich ihm alles über Castiel und Nate. ,, Also Probleme hattest du schon immer mit Männern oder? Entweder fällst du immer hin oder du schaffst es, dass sie sauer sind.“ ,, Nein, ich bin sauer verdammt. Er hat alle Beweise auf dem Tisch und glaubt es trotzdem nicht. Komm mir aber nicht mit meiner Vergangenheit klar? In einem Teil, bin ich schon ganz froh von Berlin weg zu sein.“ ,, Komm Kleines, das wird schon. Ignoriere beide einfach und irgendwann kommen sie schon wieder angewackelt glaub mir. Dieser Nate wird wahrscheinlich als Erstes kommen. Castiel scheint mir der schmollende und in sich gekehrte Typ zu sein. Aber wenn er dich wirklich mag, kommt er wieder.“ ,, Castiel mag niemanden, ok vielleicht mag er Lysander, also als guten Freund, aber mehr Menschen mag er glaub ich nicht.“ ,, Ich schau mir das alles morgen mal an Schätzchen, wir rocken deine Schule mal ein bisschen.“ ,, Wo du das gerade sagst, es ist drei Uhr morgens, ich müsste mal schlafen.“ So verziehe ich mich in mein Bett und Mario schläft auf dem Sofa. Um 6:30 klingelt der Wecker. ,, Sasa, verdammt, es ist halb sieben, wo ist deine Schule? In Timbuktu oder was?“ ,, Schlaf weiter, du musst ja nicht mit du Morgenmuffel.“ ,, ICH GEH MIT.“ Schon steht er neben meinem Bett und strahlt mich an.
,, Hob, aufstehen, du musst noch duschen und so.“ ,,Dann mach du Frühstück, ich hab ein paar Sachen hier oben.“

,, Wow, DAS ist deine Schule? Ich verstehe, warum du da gerne hingehst. Die Atmosphäre ist ja genial.“ ,, Danke, ein Mensch, der ein Schulgebäude liebt und mit so was bin ich befreundet.“ ,, He, Sasa, wen hast du denn da im Schlepptau?“ ,, Hallo Ken, das hier ist Mario, ein Freund von mir aus Berlin.“ ,,Freut mich dich kennen zulernen  Hattest du Sehnsucht nach unserer tollen Sasa? Ach übrigens, Nate sucht nach dir, hast du Streit mit ihm?“ ,, Ken..ach egal, ist nicht so wichtig. Wie ging das eigentlich mit deinem Vater aus?“ Auf einmal fängt er an zu heulen. ,, Warum heult der jetzt bitte?“ ,, He Kenilein, erzähl schön.“ ,, I-i-i-ich muss weg, in diese Militärakademie, zu den Ferien muss ich wechseln.“ ,, Aber, dass ist ja schon in einer Woche??? Geht das so schnell?“ ,, Sasa denk mal nach, deine Eltern haben dich auch verdammt schnell umgemeldet.“ Iris und Kim kommen zu uns. Kim stellt sich sofort zu mir und flüstert mit mir. ,, Sag mal, wer ist den der schnucklige Typ?“ ,,Achso, Iris, Kim? Das ist Mario, ein Freund aus Berlin.“ ,, Bleibst du denn länger bei uns?“ Ich schaue ihn an, diese Frage stelle ich mir auch schon, seit er da ist. ,,  Solange, bis meine Eltern merken, dass ich weg bin. Aber wenn sie erfahren, dass ich bei Sasa bin, wird das schon in Ordnung sein.“ Er nimmt mich in den Arm und knuddelt mich. Castiel kommt mit Lysander gerade auf den Hof und sieht uns. Er verliert etwas sein Gesicht, etwa wegen Mario? Dann wird er feuerrot und rauscht davon. Lysander schaut ihm nach, schaut dann in die Richtung wohin er geschaut hat und grinst mich an und kommt auf mich zu. ,, Hallo Sasa, wer ist denn dein Freund?“  ,, Hallo Lysander, das ist Mario. Er ist ein Freund, aber nicht mein Freund.“ ,, Jaja, dass würde eh nicht mit uns klappen.“ Er zwinkert mir zu. ,, Sasa, könnte ich kurz unter vier Augen mit dir sprechen?“ ,, Klar, Lysander.“ Ich gehe mit ihm ein paar Schritte von der Gruppe weg. Iris und Kim sind immer noch total fasziniert, dass Lysander ganz normal mit mir redet. ,, Was gibt’s denn?“ ,, Was ist gestern nach dem Unterricht hier vorgefallen?“ ,, Was genau meinst du jetzt?“ ,, Du weist genau was ich meine, der Streit zwischen dir und unseren Streithähnen.“ ,, Lysander…ich habe ihnen einfach mal meine Meinung gesagt und bevor sie nicht zur Vernunft kommen und jeder das Richtige macht, rede ich mit beiden nicht mehr.“ Er grinst mich an, dann fängt er an zu lachen, er will gar nicht mehr aufhören. ,, Das hast du zu den beiden gesagt? Ich kann mir ihre Blicke richtig vorstellen. Vielleicht schaffen sie es ja endlich, ihre Probleme zu klären.“ ,, Du meinst, nur weil ich zu ihnen sage, dass ich erst dann wieder mit ihnen rede? Das glaube ich nicht so ganz.“ ,, Oh doch, die beiden mögen dich, auch, wenn man es bei ihnen nicht immer merkt. Du bist halt ein nettes Mädchen.“ ,,Ähem, danke Lysander.“ ,, Nenn mich doch bitte Lys ja? So, ich geh dann mal rein. Danke, dass du mich mal darüber aufgeklärt hast.“ Ich stehe immer noch leicht perplex da. ,, Sasa, da bist du ja. Geht es deinem Knie besser?“ ,, Hallo Dajan. Etwas besser ja, mittlerweile kann ich ohne Schmerzen laufen. Aber ich hab noch zwei Wochen Sportverbot. Kann ich dir irgendwie anderweitig in der AG helfen?“ ,, Schön das du fragst. Du könntest nach dem Training die Bälle einsammeln und kontrollieren.“ Ich nicke und gehe wieder zu den anderen. ,, Also abgemacht, ich bleibe hier. Sasa wird ja nichts dagegen haben.“ ,, Warte, du willst hier bleiben? Du kannst doch nicht so einfach aus Berlin weg.“ ,, Du konntest es doch auch.“
 Ok, ich weis, dass er es kann, er konnte schon immer alles und musste nie die Konsequenzen fürchten.

Die Woche verläuft sehr ruhig, ich meide Castiel und Nate so gut es geht aus dem Weg oder ignoriere sie einfach. Leider kommt mit dem Freitag, der Beginn der Ferien und Ken´s Abschied. Er weint mal wieder wie ein Fluss, er kann einem so was von Leid tun. ,, Unser armer kleiner Ken, aber du schaffst das ja?“ Iris ist total überzeugt, dass er als „Mann“ wiederkommt. ,, Wir haben alle zusammengelegt und das hier für dich gekauft.“ Er packt das riesen Paket auf und zum Vorschein kommen ganz viele Kekspackungen und ein Foto von uns allen. ,, Das ist lieb von euch, ich werde euch so vermissen.“ Vor der Schule parkt wirklich ein Militärauto, heraus kommt ein Mann im mittleren Alter, der Ken so gar nicht ähnlich sieht. Leider stellt dieser Mann sich wirklich als Ken’s Vater heraus. ,, Hob, Sohn, wir gehen jetzt. Kein Wunder, dass du so verweichlicht bist mit nur weiblichen Freunden. Daran müssen wir dringend etwas ändern.“ Mario schaut leicht beleidigt und flüstert mir ins Ohr.
,, Seh ich aus wie ne Frau oder was?“ Ken schaut uns alle noch mal sehr leidend an und dann verschwindet er in dem Militär-Jeep. ,, Jetzt ist er wirklich weg.“ Wir alle sind total traurig und werden ihn sehr vermissen. ,, So, dann gehen wir mal in die AG´s, Mario, du hast doch eher den grünen Daumen, geh am besten mit Iris mit.“ Er nickt und hängt sich bei ihr unter.
Ich schaue den anderen beim Spiel zu, wir werden immer besser. Dajan will uns mit seiner Manschaft  zusammenschmeißen, starten würden wir aber als Sweet Amoris Team. ,, Ok Leute, das war’s für heute, bringt die Bälle zu Sasa, sie hat sich bereit erklärt die Wartung zu übernehmen.“ Verdammt, Castiel würde ja dann auch zu mir kommen. Er kommt als letzter zu mir, außer uns ist niemand mehr in der Halle. ,, Sasa…ich weis nicht so genau, was ich dir getan habe. Das unser Mr. Weichei es nicht gebacken bekommt, Amber zu bestrafen ist ja klar. Aber was hat das mit mir zu tun.“ ,, Castiel, hör zu, du erpresst Nate mit dieser Sache, dass ist genauso schlimm, wie Amber nicht endlich zu bestrafen. Aber, warum ist es dir auf einmal wichtig, was ich von dir denke? Dir sind doch sonst auch alle egal oder nicht?“ ,, Ach vergess es.“ Er knallt mir den Ball hin und rennt aus der Halle. Verstehen muss man ihn ja nicht. Ich kümmere mich um alle Bälle und verstaue sie. Mittlerweile ist es wieder spät geworden. Ich gehe noch mal in das Schulgebäude um meine Sachen zu holen.

Neuere Posts Ältere Posts Startseite